GEMALT FÜR DIE EWIGKEIT

Die Dekoration der Särge des Mittleren Reichs aus Beni Hassan – eine kunsthistorische Fallstudie

Das Projekt, das vom Wissenschaftsfonds gefördert wird (P31390-G25), beabsichtigt, die gemalte, figurative Dekoration der typischen Holzkastensärge des Mittleren Reiches von einem kunsthistorischen Standpunkt aus zu untersuchen. Die Nekropole von Beni Hassan wurde als Fallstudie ausgewählt, da aus diesem wichtigen Friedhof in Mittelägypten die höchste Anzahl von Särgen stammt, die bei archäologischen Ausgrabungen entdeckt wurden. Sie datieren in die Zeitspanne von der 11. Dynastie bis mindestens zur Regierungszeit Sesostris‘ III.

Den Forschungsschwerpunkt bildet eine kunsthistorische Analyse der auf die Särge gemalten dekorativen Elemente wie den ornamentalen Rahmungen und ornamentalen Hieroglyphen, den Darstellungen der wDA.t-Augen, architektonischer Elemente einschließlich der Scheintür sowie der Palastfassade, den Opfertisch mit den assoziierten Opfergaben und den Objektfries. Umfassend untersucht werden ihre Ikonographie samt der Farbgebung und des Layouts, wobei mögliche stilistische Merkmale und künstlerische Entwicklungen herausgearbeitet sowie Werkstätten oder Künstler identifiziert werden sollen. Besondere Beachtung erfahren die sogenannten Objektfriese, die Auswahl der einzelnen abgebildeten Objekte, ihre Gestaltung und Anordnung. Anschließend wird die Sargdekoration sowohl mit den Darstellungen in den Felsgräbern hoher Beamter aus Beni Hassan als auch mit den Särgen aus weiteren mittelägyptischen Nekropolen verglichen.

Eine kunsthistorische Auswertung von Särgen des Mittleren Reiches wurde bisher noch nicht unternommen, da angemessene Publikationen der meisten Särge ein Desideratum ägyptologischer Forschung darstellen. Deshalb wird eine professionelle fotographische Dokumentation aller dekorierten Beni Hassan-Särge einen essentiellen Arbeitsschritt des Projektes bilden. Sie befinden sich heutzutage in verschiedenen – hauptsächlich europäischen – Museen.

Die Analyse kann sich des MEKETREpositorys bedienen, einer umfangreichen Datenbank von Reliefs und Malereien aus Gräbern hoher Beamter des Mittleren Reiches, insbesondere jener aus Beni Hassan. Sie bietet eine unschätzbare Informationsquelle zur Kunst des Mittleren Reiches und ist das Resultat des „MEKETRE-Projektes“ sowie des Projektes „From Object to Icon“, welche beide vom Antragsteller Prof. Dr. Peter-Christian Jánosi geleitet worden sind (FWF, P 21571–G21 und P 25958–G21). Ein Aspekt des geplanten Projektes soll deren Ausbau durch das Hinzufügen von detaillierten Einträgen zu den Särgen aus Beni Hassan sein. Zudem wird ein Update der Datenbank die FAIR Data-Prinzipien verwirklichen und somit auch zukünftig eine optimale Benutzerfreundlichkeit garantieren.

Um die gestellten Forschungsfragen adäquat bearbeiten zu können, wurden die exzellent qualifizierten Wissenschaftlerinnen Dr. Lubica Hudáková und Uta Siffert, M.A. als Postdoc-Mitarbeiterinnen ausgewählt. Ihre Ausbildung und Expertise in Bezug auf Kunstgeschichte und Archäologie ermöglichen es ihnen, den verschiedenen Teilgebieten des Projektes auf höchstem internationalem Forschungsniveau zu begegnen. Ferner ist vorgesehen, eine/n studentische/n MitarbeiterIn einzustellen, welche/r primär den bibliographischen Aufgabenbereich abdecken soll, sowie eine/n IT-TechnikerIn zu beschäftigen, um das Update des MEKETREpositorys umzusetzen.

 

Geplante Projektlaufzeit

Februar 2019 - Jänner 2022

 

Projektleiter

Ao. Univ. Prof. Dr. Peter Jánosi

 

Projektmitarbeiter

Dr. Lubica Hudáková (geb. Zelenková) (Ägyptologie)
Uta Siffert BA, MA (Ägyptologie)

Studentischer Mitarbeiter (Ägptologie)

http://www.meketre.org/